Das Epa Endangerment Finding: Wissenschaft und Zurückweisung

Schlaglicht#

Die Analyse des Endangerment Findings der EPA von 2009 zeigt eine komplexe rechtliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung über die Regulierung von Treibhausgasen in den USA. Der Widerruf dieser Feststellung durch die Trump-Administration im Jahr 2026 stellt nicht nur einen deutlichen Politikwandel dar, sondern wirft auch grundlegende Fragen zur wissenschaftlichen Validität und den rechtlichen Befugnissen der EPA auf.

Zusammenfassung#

Das Endangerment Finding der Environmental Protection Agency (EPA) aus dem Jahr 2009 stellte fest, dass die Emissionen von sechs bestimmten Treibhausgasen die öffentliche Gesundheit gefährden. Diese Entscheidung wurde aufgrund des Urteils im Fall Massachusetts v. EPA (2007) getroffen, welches die Einstufung von Treibhausgasen als Luftschadstoffe bestätigte. Trotz breiter wissenschaftlicher Unterstützung wurde das Endangerment Finding im Februar 2026 von der Trump-Administration unter Lee Zeldin widerrufen. Dieser Widerruf beruhte auf einer Neubewertung der gesetzlichen Befugnisse der EPA sowie auf kritischen Analysen der wissenschaftlichen Grundlagen und Modelle, die im Jahr 2009 verwendet wurden.

Die Kritik an der wissenschaftlichen Basis des Befundes umfasst unter anderem die mangelhafte Berücksichtigung positiver Effekte von Kohlendioxid (CO₂) auf das Pflanzenwachstum und die inakzeptable Reliance auf externe Bewertungen ohne eigene Datenprüfung. Ein Bericht des US-Energieministeriums von 2025 stellte zudem den wissenschaftlichen Konsens über die Auswirkungen von Treibhausgasen massiv in Frage. Im Gegensatz dazu stellte eine Studie der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) im Jahr 2025 fest, dass die Gefährdung durch Treibhausgase “jenseits wissenschaftlicher Debatten” steht.

Der Widerruf wurde nicht nur unter wissenschaftlichen, sondern auch unter juristischen Gesichtspunkten angefechtet. Die EPA argumentierte, dass die Regelung von Treibhausgasen gemäß dem Clean Air Act nicht vorgesehen sei, da diese Gase ihre Wirkung global entfalten und nicht lokal oder regional, wie es die Gesetzesvorschriften verlangen. Der Widerruf hat erhebliche Auswirkungen auf die Regulierungen zur Luftreinhaltung in den USA, darunter die Aufhebung von Abgasgrenzwerten für Kraftfahrzeuge und die Schwächung von Regelungen für die Öl- und Gasindustrie. In der Folge könnten die gesundheitlichen und ökologischen Schäden durch eine schlechtere Luftqualität und unzureichende Maßnahmen gegen den Klimawandel zunehmen.

Analyse der wissenschaftlichen und juristischen Validität des EPA Endangerment Findings von 2009 im Kontext der regulatorischen Revisionen von 2026#

Der regulatorische Rahmen für Treibhausgasemissionen in den Vereinigten Staaten basierte über anderthalb Jahrzehnte auf einer zentralen administrativen Feststellung des Jahres 2009. Dieses als „Endangerment Finding“ bekannte Dokument der Environmental Protection Agency (EPA) bildete das rechtliche Fundament für die gesamte Klimapolitik unter dem Clean Air Act (CAA).1 Am 7. Dezember 2009 unterzeichnete die damalige EPA-Administratorin Lisa Jackson zwei distinkte Feststellungen gemäß Sektion 202(a) des CAA: Erstens, dass die atmosphärischen Konzentrationen von sechs spezifischen Treibhausgasen – Kohlendioxid (), Methan (), Distickstoffoxid (), Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFCs) und Schwefelhexafluorid () – die öffentliche Gesundheit und das öffentliche Wohl künftiger Generationen gefährden. Zweitens, dass die kombinierten Emissionen dieser Gase aus neuen Kraftfahrzeugen und deren Motoren zu dieser Luftverschmutzung beitragen.1 Diese Entscheidung war kein isolierter politischer Akt, sondern das Resultat einer langjährigen juristischen Auseinandersetzung, die im Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Massachusetts v. EPA (2007) gipfelte, welches feststellte, dass Treibhausgase unter die Definition von „Luftschadstoffen“ fallen.5
Doch trotz der breiten wissenschaftlichen Unterstützung und wiederholter gerichtlicher Bestätigungen wurde das Endangerment Finding im Februar 2026 formell widerrufen.5 Dieser radikale Kurswechsel der Trump-Administration unter Administrator Lee Zeldin basierte auf einer fundamentalen Neubewertung der gesetzlichen Befugnisse der EPA, der Interpretation des Clean Air Act sowie einer kritischen Analyse wissenschaftlicher Unsicherheiten, die nach Ansicht der neuen Behördenleitung im Jahr 2009 nicht ausreichend berücksichtigt wurden.5 Der Widerruf löste eine tiefgreifende Debatte über die Integrität wissenschaftlicher Prozesse und die Grenzen administrativer Diskretion aus. In diesem Bericht werden die Argumente für die Fehlerhaftigkeit des Befundes, die wissenschaftlichen Gegenpositionen und die komplexen Wechselwirkungen zwischen Recht und Klimawissenschaft detailliert analysiert.

Die Genese und das rechtliche Fundament von 2009#

Die Vorgeschichte des Endangerment Findings reicht bis ins Jahr 1999 zurück, als eine Gruppe von 19 Organisationen die EPA aufforderte, die Emissionen von Treibhausgasen aus neuen Kraftfahrzeugen zu regulieren.6 Sektion 202(a)(1) des Clean Air Act schreibt vor, dass die EPA Standards für Emissionen von Luftschadstoffen festlegen muss, die nach Einschätzung des Administrators die öffentliche Gesundheit oder das Wohl gefährden könnten.10 Die ursprüngliche Ablehnung dieser Petition durch die Bush-Administration im Jahr 2003 wurde vom Supreme Court im Jahr 2007 als rechtswidrig verworfen.6 Das Gericht stellte klar, dass die EPA handeln muss, sofern sie nicht wissenschaftlich begründen kann, dass Treibhausgase nicht zum Klimawandel beitragen oder dass die Wissenschaft zu unsicher für eine Entscheidung ist.4

Die Klassifizierung der sechs Treibhausgase#

Die Entscheidung der EPA im Jahr 2009, sechs spezifische Gase als eine kollektive „Luftverschmutzung“ zu definieren, war ein prozeduraler Meilenstein. Diese Gase zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit und ihre Eigenschaft aus, in der Atmosphäre gut durchmischt zu sein.3

Treibhausgas Chemische Formel Atmosphärische Lebensdauer Relevanz im Verkehrssektor
Kohlendioxid Jahrhunderte bis Jahrtausende Hauptemissionsprodukt fossiler Brennstoffe.11
Methan ~12 Jahre Emissionen durch unvollständige Verbrennung.3
Distickstoffoxid ~114 Jahre Nebenprodukt der katalytischen Abgasreinigung.3
Fluorkohlenwasserstoffe HFCs Variabel (1-270 Jahre) Einsatz in Fahrzeugklimaanlagen.3
Perfluorierte KW PFCs 2.600 - 50.000 Jahre Industrielle Prozesse, geringe Verkehrsrelevanz.3
Schwefelhexafluorid 3.200 Jahre Isoliergas, kaum Relevanz im Fahrzeugbau.3

Obwohl Kraftfahrzeuge nicht alle sechs Gase in signifikantem Maße emittieren, argumentierte die EPA, dass eine Gefährdungsfeststellung für die gesamte Gruppe zulässig sei, da sie gemeinsam den anthropogenen Treibhauseffekt verstärken.3 Diese Gruppierung wurde später von Kritikern als „kreativ“ und prozedural „unorthodox“ bezeichnet, da sie kausale Sprünge zwischen den Emissionen einzelner Quellen und einer globalen atmosphärischen Veränderung konstruiere.2

Gründe für die Anfechtung des Befundes: Wissenschaftliche Kritikpunkte#

Ein wesentlicher Teil der Argumentation gegen die Validität des Befundes von 2009 stützt sich auf die Behauptung, dass die zugrunde liegende wissenschaftliche Analyse systematische Fehler aufweise. Kritiker, darunter Organisationen wie das Competitive Enterprise Institute (CEI) und das Cato Institute, wiesen darauf hin, dass die EPA sich fast ausschließlich auf externe Bewertungen wie die des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) verlassen habe, anstatt eine unabhängige Prüfung der Rohdaten durchzuführen.12

Die Diskrepanz der Klimamodelle und der „Tropical Hotspot“#

Ein zentrales technisches Argument betrifft die Zuverlässigkeit von Globalen Zirkulationsmodellen (GCMs). Kritiker argumentieren, dass die Modelle, die für den Technical Support Document (TSD) von 2009 herangezogen wurden, eine signifikante „Überwärmung“ der tropischen Troposphäre vorhersagten – den sogenannten „Tropical Hotspot“ –, der in realen Ballon- und Satellitendaten nicht im prognostizierten Ausmaß nachweisbar sei.13 Wenn die Modelle in dieser kritischen Region versagen, so die Schlussfolgerung, seien auch ihre langfristigen Prognosen über Temperaturanstiege und daraus resultierende Gefahren fehlerhaft.13
Einige Analysen gingen so weit, die Verwendung dieser Modelle als „wissenschaftliche Malpraxis“ zu bezeichnen, da sie eine negative Wissensgenerierung darstellten – man wisse durch die Modelle weniger über das reale Klima als durch die einfache Annahme von Durchschnittswerten des 20. Jahrhunderts.13 Diese Kritik am „Error Cascade“ (Fehlerkaskade) besagt, dass sich Unsicherheiten in den Basismodellen multiplikativ in den Folgemodellen für Ernteerträge, Meeresspiegel und Gesundheit auswirken, was zu „grotesken und gargantuanischen Opportunitätskosten“ durch unnötige Regulierung führe.13

Positive Effekte von Kohlendioxid#

Ein weiterer Kritikpunkt ist die einseitige Fokussierung auf die Gefahren von . Es wird angeführt, dass erhöhte -Konzentrationen das Pflanzenwachstum stimulieren („Global Greening“) und die landwirtschaftliche Produktivität steigern.16 Modelle wie FUND (Framework for Uncertainty, Negotiation, and Distribution), die explizit die Düngewirkung von berücksichtigen, kämen unter bestimmten Szenarien zu dem Ergebnis, dass die moderaten Erwärmungen der letzten Jahrzehnte netto positive wirtschaftliche Effekte hatten.13 Das Endangerment Finding von 2009 habe diese Aspekte ignoriert und stattdessen ein „undue pessimistisches“ Bild gezeichnet.19

Administrative und prozedurale Mängel#

Neben inhaltlichen Differenzen wurden erhebliche prozedurale Bedenken laut. Ein Bericht des EPA Office of Inspector General (OIG) aus dem Jahr 2011 untersuchte, ob die Behörde die Richtlinien für die Qualität technischer Informationen eingehalten habe.12

Die HISA-Klassifizierung und die Peer-Review-Problematik#

Das OIG stellte fest, dass das TSD als „Highly Influential Scientific Assessment“ (HISA) hätte eingestuft werden müssen, da es weitreichende politische Konsequenzen hatte und die EPA eine aktive Auswahl und Gewichtung wissenschaftlicher Daten vornahm.12 Durch die Nicht-Einstufung als HISA umging die EPA strengere Anforderungen an das Peer-Review-Verfahren.12

  • Mangelnde Unabhängigkeit: Einer der zwölf Gutachter des TSD war ein EPA-Mitarbeiter, was gegen die Unabhängigkeitsregeln des Office of Management and Budget (OMB) verstieß.12
  • Mangelnde Transparenz: Die Ergebnisse des Peer-Reviews und die Reaktionen der EPA darauf wurden nicht öffentlich dokumentiert.12
  • Fehlende eigene Dokumentation: Die EPA verfügte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung über keine ausreichenden Verfahren, um die wissenschaftliche Qualität der von Organisationen wie dem IPCC übernommenen Daten eigenständig zu zertifizieren.12

Diese Versäumnisse führten zu dem Vorwurf, das Endangerment Finding sei auf einem prozedural instabilen Fundament errichtet worden, das einer strengen juristischen Prüfung nach modernen Maßstäben nicht standhalten würde.20

Der Paradigmenwechsel: Der DOE-Bericht von 2025#

Im Juli 2025 veröffentlichte das US-Energieministerium (DOE) einen Entwurf mit dem Titel „A Critical Review of Impacts of Greenhouse Gas Emissions on the U.S. Climate“.17 Dieser Bericht, erstellt von einer fünfköpfigen „Climate Working Group“ (CWG) unter Energieminister Chris Wright, stellte den wissenschaftlichen Konsens massiv infrage und diente als wissenschaftliche Rechtfertigung für den Widerruf von 2026.16

Kernaussagen des DOE-CWG-Berichts#

Der Bericht argumentierte, dass die Erwärmung durch ökonomisch weniger schädlich sei als allgemein angenommen und dass aggressive Minderungsstrategien schädlicher als der Klimawandel selbst sein könnten.21

Themenbereich Behauptung des DOE-CWG-Berichts Kritikpunkt an der bisherigen Wissenschaft
Extreme Wetterereignisse Historische US-Daten zeigen keine langfristigen Trends bei Hurrikanen, Tornados oder Fluten. Behauptung der Zunahme sei medial konstruiert und nicht datenbasiert.
Meeresspiegel Tidepegel-Messungen zeigen keine offensichtliche Beschleunigung des Anstiegs über den historischen Schnitt hinaus. Fokus auf regionale Landabsenkungen statt globaler thermischer Expansion.
Treibhauspotenzial Der solare Einfluss auf die Erwärmung des späten 20. Jahrhunderts wurde unterschätzt. Modelle seien überempfindlich gegenüber und ignorierten natürliche Variabilität.
Ökonomische Folgen Die sozialen Kosten von Kohlenstoff (SCC) basieren auf willkürlichen Annahmen. SCC-Modelle seien für unabhängige Informationen unbrauchbar.

Der Bericht betonte zudem, dass die Versauerung der Meere zwar den pH-Wert senke, Korallenriffe wie das Great Barrier Reef jedoch eine „Rebound“-Fähigkeit zeigten, was die Dramatik der Prognosen untergrabe.16 Kritiker verwiesen jedoch darauf, dass dieser Bericht in nur vier Monaten erstellt wurde, kein externes Peer-Review durchlief und zu 11% aus Eigenzitaten der fünf Autoren bestand.21

Die wissenschaftliche Gegenposition: Verteidigung des Konsenses#

Die Reaktion der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf die Versuche, das Endangerment Finding zu revidieren, war beispiellos. Die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) veröffentlichten im September 2025 eine „Fast-Track“-Studie, um den Stand der Wissenschaft seit 2009 zusammenzufassen.24

Der NASEM-Bericht von 2025: „Beyond Scientific Dispute“#

Der Bericht kam zu dem eindeutigen Schluss, dass die Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch Treibhausgase heute „jenseits wissenschaftlicher Debatten“ steht.25 Die Beweislast habe sich seit 2009 dramatisch verstärkt.24

  • Bestätigung der Erwärmung: Verbesserte Beobachtungsnetzwerke bestätigen unmissverständlich, dass Treibhausgasemissionen die Erdoberfläche erwärmen.24
  • Klare Kausalität: Natürliche Faktoren wie Sonneneinstrahlung oder vulkanische Aktivitäten können den beobachteten Trend nicht erklären.24
  • Neue Gesundheitsrisiken: Seit 2009 wurden zusätzliche Risiken identifiziert, darunter Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die Ernährungssicherheit und eine Zunahme von durch Insekten übertragenen Krankheiten (wie West-Nil-Virus und Dengue-Fieber) aufgrund erweiterter Lebensräume.24
  • Attributionswissenschaft: Fortschritte in der Attributionsforschung erlauben es nun, spezifische Extremereignisse wie Hitzewellen und Starkregen direkt mit dem anthropogenen Klimawandel in Verbindung zu bringen.2

Eine Gruppe von über 85 Wissenschaftlern unter der Leitung von Andrew Dessler und Robert Kopp reichte zudem eine 434-seitige Widerlegung des DOE-Berichts ein.21 Sie warfen der CWG vor, Daten „gepickt“ (Cherry-Picking), Statistiken missbraucht und Unsicherheiten überbetont zu haben, um ein politisch gewünschtes Ergebnis zu erzielen.23

Rechtliche Argumente für den Widerruf im Jahr 2026#

Der formelle Widerruf des Endangerment Findings im Februar 2026 stützte sich nicht primär auf eine Leugnung der Klimawissenschaft, sondern auf eine radikale Neuauslegung des Clean Air Act.8 Die EPA argumentierte, dass ihre Befugnisse im Jahr 2009 überinterpretiert worden seien.

Die „Local/Regional“-Doktrin#

Die EPA unter Lee Zeldin vertrat die Auffassung, dass Sektion 202(a) des CAA darauf ausgelegt sei, Luftschadstoffe zu regulieren, die durch „lokale oder regionale Exposition“ direkte Schäden verursachen.7 Da Treibhausgase ihre Wirkung indirekt über globale atmosphärische Veränderungen entfalten, fielen sie nach dieser Interpretation nicht in den Regelungsbereich dieser spezifischen Gesetzesstelle.7 Man argumentierte, dass der Kongress niemals beabsichtigt habe, der EPA eine „Lizenz zum Umbau der gesamten Wirtschaft“ zu geben, ohne ein klares gesetzliches Mandat.20

Einfluss von Loper Bright und die Major Questions Doctrine#

Zwei aktuelle Entwicklungen in der Rechtsprechung des Supreme Court spielten eine entscheidende Rolle:

  1. Loper Bright Enterprises v. Raimondo (2024): Das Ende der „Chevron-Deferenz“. Gerichte müssen nicht länger der Auslegung einer Behörde folgen, wenn ein Gesetz mehrdeutig ist.7 Dies ermöglichte es der EPA, ihre eigene frühere Auslegung von 2009 als fehlerhaft zu deklarieren, ohne dass Gerichte automatisch die alte Sichtweise schützen müssten.32
  2. Major Questions Doctrine: Im Fall West Virginia v. EPA (2022) legte das Gericht fest, dass Behörden bei Entscheidungen von „großer wirtschaftlicher und politischer Tragweite“ eine explizite Ermächtigung durch den Kongress benötigen.7 Die EPA argumentierte 2026, dass das Endangerment Finding eine solche „Major Question“ darstellt, für die der CAA von 1970 keine ausreichende Grundlage bietet.9

Fehlende „Requisite Technology“#

Ein weiteres Argument war praktischer Natur: Die EPA behauptete, dass es keine „erforderliche Technologie“ für Kraftfahrzeuge gäbe, die den globalen Klimawandel messbar beeinflussen könnte.7 Selbst wenn die Emissionen aller neuen US-Fahrzeuge auf Null reduziert würden, hätte dies keinen wissenschaftlich messbaren Effekt auf die globalen -Konzentrationen oder Klimatrends.7 Daher sei eine Regulierung unter Sektion 202(a) unangemessen.32

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen des Widerrufs#

Der Widerruf des Befundes von 2009 hat weitreichende Konsequenzen für die US-Wirtschaft und die öffentliche Gesundheit. Er entzieht zahlreichen Regulierungen die Rechtsgrundlage, darunter:

  • Fahrzeugstandards: Die Aufhebung der Abgasgrenzwerte für Pkw und Lkw.7
  • Kraftwerksregeln: Die Unmöglichkeit, -Grenzwerte für bestehende und neue Kraftwerke durchzusetzen.7
  • Methan-Regulierung: Schwächung der Regeln für die Öl- und Gasindustrie.33

Ökonomische Divergenz#

Die Trump-Administration behauptet, der Widerruf spare den Steuerzahlern bis zu 1,3 Billionen Dollar und senke die Preise für Neufahrzeuge erheblich.33 Demgegenüber stehen Analysen der Resources for the Future (RFF), die darauf hinweisen, dass diese Berechnungen auf veralteten Daten und überhöhten Diskontsätzen basieren.37 Die RFF-Forscher argumentieren, dass die sozialen Kosten des Klimawandels – von Ernteausfällen bis hin zu Sachschäden durch Extremwetter – die kurzfristigen Einsparungen bei weitem übersteigen.37 Zudem schaffe der Widerruf erhebliche Rechtsunsicherheit für Automobilhersteller, die bereits Milliarden in die Elektrifizierung investiert haben und nun in einem „regulatorischen Vakuum“ operieren müssen.32

Umweltgerechtigkeit und Gesundheit#

Kritiker betonen, dass die Aufhebung der Treibhausgasstandards auch die Reduktion von klassischen Schadstoffen wie Feinstaub und Stickoxiden bremst, da diese oft gemeinsam mit reduziert werden.39 Dies betreffe besonders einkommensschwache Gemeinschaften und ethnische Minderheiten, die häufig in der Nähe von Autobahnen oder Industriegebieten leben.39 Gesundheitsorganisationen warnen vor einer Zunahme von Asthmaanfällen, Herzinfarkten und Frühgeburten durch die verschlechterte Luftqualität.33

Zusammenfassende Analyse der wissenschaftlichen und juristischen Kontroverse#

Die Frage, ob das Endangerment Finding von 2009 „falsch“ ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten, sondern hängt von der gewählten Perspektive ab.

Perspektive Bewertung des Befundes von 2009 Hauptargument
Wissenschaftlicher Konsens (NASEM, IPCC) Richtig und unterbewertet. Die Beweise für die Gefährdung sind heute weitaus stärker als 2009; Unsicherheiten wurden weitgehend ausgeräumt.24
Kritische/Skeptische Wissenschaft (CWG, CEI) Falsch aufgrund systematischer Fehler. Modelle überschätzen die Erwärmung; positive Effekte von wurden ignoriert; Datenqualität war mangelhaft.13
Juristischer Originalismus (EPA 2026) Rechtlich fehlerhaft (Ultra Vires). Der Clean Air Act war nie für globale Phänomene gedacht; die EPA hat ihre Kompetenzen überschritten.7
Prozedurale Revision (OIG 2011) Prozedural mangelhaft. Die EPA hat interne Richtlinien für Peer-Review und Transparenz umgangen, was die Glaubwürdigkeit schwächt.12

Die Wissenschaft sagt heute fast einstimmig, dass die Gefährdung real und wachsend ist.25 Dennoch hat die politische und juristische Entwicklung in den USA einen Mechanismus geschaffen, der es ermöglicht, diese wissenschaftliche Erkenntnis administrativ zu neutralisieren. Der Widerruf von 2026 markiert das Ende einer Ära, in der wissenschaftlicher Konsens direkt in Bundesregulierung übersetzt wurde, und leitet eine Phase ein, in der die Grenzen administrativer Macht und die Interpretation von Gesetzestexten Vorrang vor klimatologischen Warnungen haben.
Die langfristige Validität dieser Entscheidung wird nun vor den Gerichten entschieden werden müssen. Während die EPA argumentiert, dass Treibhausgase nicht in die „ambient air“ (Umgebungsluft) im Sinne des Gesetzes gehören, halten Befürworter der Regulierung dagegen, dass die Atmosphäre ein zusammenhängendes System ist und der Schutz der Gesundheit nicht an physikalischen Definitionen von „lokal“ scheitern darf.9 In der Zwischenzeit bleibt die Wissenschaft ein Schlachtfeld für gegensätzliche Interpretationen von Modellunsicherheiten und historischen Trends, wobei die reale Welt bereits jetzt die Folgen dieser regulatorischen Instabilität in Form von unvorhersehbaren Wetterextremen und ökonomischen Verwerfungen spürt.21

Referenzen#

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  8. Trump delivers a deadly blow to EPA’s ability to regulate climate pollution, Zugriff am Februar 13, 2026, https://krdo.com/news/2026/02/12/trump-repeals-epas-ability-to-regulate-climate-pollution-teeing-up-a-legal-battle-with-global-stakes/
  9. EPA Announces Proposal to Repeal of GHG Mobile Vehicle Standards and Related Endangerment Finding | Michael Best & Friedrich LLP, Zugriff am Februar 13, 2026, https://www.michaelbest.com/insights/epa-announces-proposal-to-repeal-of-ghg-mobile-vehicle-standards-and-related-endangerment-finding/
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  11. 9 Questions About the 2009 Endangerment Finding Reconsideration: (Updated per EPA Announcement on July 29, 2025) | Thought Leadership | Baker Botts, Zugriff am Februar 13, 2026, https://www.bakerbotts.com/thought-leadership/publications/2025/july/9-questions-about-the-2009-endangerment-finding-reconsideration
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  40. Lee Zeldin’s EPA Endangerment Finding Repeal: What it Means for Clean Air and the Climate - League of Conservation Voters, Zugriff am Februar 13, 2026, https://www.lcv.org/blog/epa-endangerment-finding-repeal-what-it-means-for-clean-air-and-climate/
  41. The Endangerment Finding Protects Public Health, Now It’s Time to Protect the Endangerment Finding, Zugriff am Februar 13, 2026, https://www.networkforphl.org/news-insights/the-endangerment-finding-protects-public-health-now-its-time-to-protect-the-endangerment-finding/
  42. As the Trump EPA Prepares to Revoke Key Legal Finding on Climate Change, What Happens Next?, Zugriff am Februar 13, 2026, https://insideclimatenews.org/news/11022026/as-the-trump-epa-prepares-to-revoke-key-legal-finding-on-climate-change-what-happens-next/